Die Gründung der
Rennsportabteilung im FC Aschheim
- Frühling 2011 -
Jahrelang
hatte ich mich bemüht, in einem der Münchner Skivereine eine Snowboard –
Rennsportabteilung einzurichten, mit drei Weltcupfahrern als Aushängeschild.
Leider hatte keiner der Münchner Vereine Interesse.
Nach
missglückten Versuchen im SC Rosenheim und dem SC Lenggries entschloss sich
Patrick für seinen Heimatverein, den FC Aschheim, zu starten. Da es mir
lächerlich vorkam, den Sportwart für einen einzigen Fahrer zu spielen,
versuchte ich, auch aus Liebe zu diesem wunderschönen Alpinsport, eine
Nachwuchstruppe aufzubauen.
Bald merkte
ich, dass die Materialfrage ein großes Hindernis für Einsteiger darstellte.
Skifahrer tun sich da leichter, in jedem Skibasar gibt es für wenig Geld
Material für den Anfang. Also kaufte ich bei e-bay einen Grundstock an
Material, mit dem ich unsere Anfänger kostenlos ausrüstete.
Damit begann
eine fast schon beängstigende Entwicklung, nach nunmehr 2 Saisonen haben wir
17 Fahrer mit Rennerfahrung und jede Menge Anfragen. Spricht für die
Attraktivität dieses Sports, alle unsere Kinder haben gesagt, dass sie schon
viel früher mit Raceboarden angefangen hätten, wenn sie gewusst hätten, wo.
Unsere
Schneesaison 2010/2011 startete Mitte Oktober und ging bis Mitte April, es
wurden insgesamt 57 Schneetage angeboten. In Zusammenarbeit mit dem Skiverband
München konnten wir sogar schon drei eigene Rennen veranstalten. Hier auch
ausdrücklich unseren Dank an den SVM für die großartige Unterstützung.
Unsere theoretischen
Grundlagen:
Am Anfang
waren drei Brüder, alle in der Nationalmannschaft, und eine junge Sportart,
die sich rapide entwickelte. Da gab es viele Theorien, wenige haben die Läufer
weitergebracht. Aus schmerzvoller Erfahrung mussten wir unsere eigene
Fahrtechnik entwickeln. Patrick beweist, dass man so in die Weltspitze kommen
kann.
Auf dieser
Basis haben wir eine eigene Lehrmethode entwickelt, weil wir unseren Kindern
von Anfang an das Fahren so beibringen wollten, wie wir es für Patrick als
erfolgreich erkannt haben. Für seine Brüder Dominik und Ralph kam es leider zu
spät, dafür sind sie jetzt hervorragende Trainer. Als Ralph den Trainer C –
Schein machen wollte, mussten wir leider feststellen, dass unsere Lehrtechnik
nicht mit der des Snowboard Verbands Deutschland kompatibel ist. Unseren
Kindern macht das aber nichts aus.
Unsere Erfahrungen im
praktischen Training:
Die erste
Erfahrung war die, dass unsere Kinder das Raceboarden unglaublich schnell
gelernt haben. Zuerst glaubten wir, dass unsere ersten Anfänger unheimliche
Talente gewesen sein mussten, aber in der Folge ging es dann immer noch
schneller. Zuerst lernten wir natürlich auch dazu, und dann hatten die später
hinzugekommenen Kids in den Läufern, die schon länger bei uns waren, gute
Vorbilder zum Abschauen.
Erstaunlicherweise ist das Umsteigen von Ski auf Raceboard, ein 12jähriges
Mädchen hat bereits am dritten Trainingstag lupenrein carven gelernt.
Offensichtlich viel schwerer ist das Umsteigen vom Freestyleboard. Zwar ist
das Fahren an sich kein Problem, aber schnell fahren lernen dauerte immer etwa
eine halbe Saison.
Ob unsere
Methode dann auch noch automatisch dazu führt, dass so ausgebildete Kinder
nicht nur schnell lernen, sondern dann auch noch schneller fahren als andere,
können wir nach gerade mal 2 Saisonen noch nicht belegen.
Von unseren
17 Rennläufern und Rennläuferinnen hat keiner vorher jemals auf einem
Raceboard gestanden, nur zwei waren von Anfang an dabei, der letzte kam Ende
Februar 2011 zu uns.
Der
Materialpool, mittlerweile auch durch Spenden und Sponsoring angewachsen, hat
da auch noch eine ganz unerwartete Rolle gespielt. Nicht nur, dass zu klein
gewordene Hardboots schnell ausgetauscht sind, viel wichtiger war, dass bei
dem rapiden Lerntempo wir den Kindern sofort das nächst längere Board geben
konnten. Das ist zwar für die Kinder körperlich anstrengend, aber es macht
ihnen trotzdem viel mehr Spaß. Damit steigert sich die Fahrtechnik noch
weiter, da lange Bretter zu technisch sauberem Fahren zwingen.
Stangentraining hatte in diesem Stadium nur untergeordnete Bedeutung, es hat
sich herausgestellt, dass jedes Kind beim Stangentraining nur genau die Zeit
herausfährt, die seinem derzeitigen technischen Können entspricht.
Entscheidende Verbesserungen wurden nur beim Techniktraining am Übungshang und
beim freien Fahren erreicht.
Nach unserer
Meinung spricht es für eine grundsolide technische Grundlage, dass unsere
Kids, angeregt durch unsere Beobachtungen bei der Deutschen
Schülermeisterschaft, sofort mühelos und mit Begeisterung auf wesentlich
längere Bretter umsteigen konnten.
So fährt Max
mit einer Körpergröße von 1,40 m und einem Gewicht von 35 kg jetzt mit einem
Hammerhead Brett von 1,65 m.
Erste bescheidene Erfolge:
Bei der
Deutschen Schülermeisterschaft der Saison 2010/2011 waren unsere Teilnehmer
zwischen 1½ Saisonen und drei Tagen auf dem Brett. Alle Trainings hatten bei
idealem Wetter stattgefunden. Dagegen fanden die Rennen bei strömendem Regen
statt, es war so neblig, dass das Rennen ständig kurz vor dem Abbruch stand,
weil man kaum die vorgeschriebenen zwei Tore weit sehen konnte. Natürlich war
die Piste bis auf den rippigen Eisuntergrund aufgesulzt. Für Kinder, die kaum
eine Saison auf dem Brett standen, sicher besonders schwierig.
Dafür waren 5
Podestplätze besonders erfreulich.
Ausblick:
Dass so
Kinder das Raceboarden besonders schnell lernen und deswegen auch viel Spaß
haben, halten wir für bewiesen. Sie erregen viel Aufmerksamkeit und sind die
Stars der Piste, immer werden sie gefragt, wie lange sie schon fahren und
ernten Kopfschütteln.
Um Anschluss
an das internationale Niveau zu bekommen, wird es etwas länger dauern.
Der
Materialpool ist da und wird allein schon dadurch ausgebaut, dass einige
Eltern ihren Kindern neue Bretter anschaffen, die sie natürlich durch uns
wesentlich billiger bekommen.
Da unsere
Transportkapazität erschöpft ist, haben wir mit dem SC Lengdorf eine erste
Trainingsgemeinschaft gegründet, ein Modell für eine erhoffte künftige
Expansion.
Weiterhin
gilt, wir nehmen jeden, keine Voraussetzungen sind erforderlich, auch 5jährige
hatten schon jede Menge Spaß.
Bericht:
Hans Bussler